Warum ich so leben möchte

Schwester MargitSr. Margit Bauschke

Beim Nachsinnen über den Weg meiner Berufung zum Ordensleben kam mir  spontan die Stelle aus dem  Buch Jeremia, 18,1-17, in den Sinn: Das Gleichnis vom Töpfer. Gott schickt dort den Propheten zum Haus des Töpfers, um  ihm das Wort seiner Berufung mitzuteilen.

Jeremia geht diesem Auftrag nach und schaut dem Töpfer bei der Arbeit zu, wie er auf der Töpferscheibe knetet, streicht, zieht und den Ton zu Töpfen Krügen und Geschirr formt, mit dem Ton verfährt, ganz so, wie es ihm gut dünkte.

Immer wieder bin ich im Laufe meines Ordenslebens an diese Stelle, Ton in der Hand des Töpfers zu sein, erinnert worden, sei es bei Exerzitien oder stillen Tagen oder einfach so, beim Blättern durch die Bibel.

Mich formen zu lassen, durch die Hände des Töpfers Gestalt zu gewinnen und immer wieder neu meine Sendung zu erahnen und zu erfahren, das hat mich durch all die Jahre begleitet.

So ganz bewusst war mir das sicher nicht vor 35 Jahren, als ich zum ersten Mal nach Schlehdorf kam, für einen Besuch – ganz unverbindlich – was mir damals sehr wichtig war.

So unverbindlich wie ich es nach außen hin kund tat, war dieser Besuch nicht. Ich merkte nach einiger Zeit, dass da bei allem, was ich unternahm, diese Sehnsucht nach Gott und mein Leben in Seine Hände zu geben , immer dringlicher wurde. Anfangs dachte ich, es sei eine Täuschung, doch als der Ruf intensiver wurde, machte ich einfach Nägel mit Köpfen. Ich meldete mich im Kloster an und trat vier Monate nach meinem ersten Besuch in Schlehdorf, in die Kongregation der Missions – Dominikanerinnen ein.

Die ersten Jahre im Kloster waren geprägt von der internen Ordensausbildung und meiner persönlichen Reifung.

Mich Gott und den Menschen zur Verfügung stellen und mit gestalten, das war mir wichtig in den ersten Jahren meines Lebens im Kloster. Und dazu wurde mir Raum gegeben, ob in der Ausbildung zur Krankenschwester, während der Zeit meines Einsatzes auf unserer klosterinternen Pflegestation, oder bei der Zusatzausbildung zur Pflegedienstleiterin für Sozialstationen, sowie in der Zeit, die ich in einer kleinen Gemeinschaft auf der schwäbischen Alb verbringen durfte – der Raum, meine persönlichen Talente zu entdecken und mich einzusetzen, wurde mir ermöglicht.

Es gab auch Zeiten der Umformung, und der Neugestaltung, besonders dann wenn das Bild des Töpfers nicht mit meinem eigenen Bild übereinstimmte. Es waren Zeiten des schmerzlichen Neulernens, in denen ich mich erneut dem Schöpfer Anvertraute.

Wenn ich heute mein Leben in Schlehdorf anschaue, dann staune ich über die ganz unterschiedlichen Facetten meiner Aufgaben:

  • Das körperorientierte Lernen und Lehren mit der Feldenkraismethode
  • Die geistliche Begleitung und Exerzitienbegleitung
  • Die Mitsorge um unsere älteren Mitschwestern
  • Der Dienst im Provinzleitungsteam

Immer ist es für mich ein großes Geschenk, mitzuerleben, wie Gott hier und heute ganz konkret in mir und in den Menschen wirkt – und wie eine Fülle von Leben entsteht .

Rückblickend kann ich sagen, dass mir der heilige Dominikus ein treuer Begleiter und prägendes Vorbild war und ist auf meinem Weg durch all meine Ordensjahre. Anfangs war ich begeistert für den Dominikus, der unterwegs war unerschrocken und in großer Freiheit im Dienst des Evangelium und der Kirche.

Heute ist mir eine andere Seite des hl. Dominikus wichtig geworden, nämlich jene, als er in sich stimmig Jahre allein in Fanjeaux in Geduld verbrachte, offen für die Weisungen Gottes, weise genug, den rechten Zeitpunkt für eine Entscheidung zu erkennen und wissend, dass die Antwort auf den Ruf Gottes eine Zeit des Reifens braucht. Es ist der Dominikus, der es verstand, Menschen aufzurichten und zu trösten, der wie der heilige Thomas von Aquin schreibt, „Leben fördert und weckt“. Es ist auch der Dominikus, der mit Leib und Seele vor Gott gestanden und gekniet hat oder auf dem Boden ausgestreckt lag, um sich selbst, seine Brüder und Schwestern und die Anliegen der Welt vor Gott ins Gebet zu bringen, wie es uns in seinen Gebetsweisen überliefert ist.

Sr. Margit Bauschke OP