Heute, inmitten „Der Woche für das Leben“, mit dem Untertitel „Altern in Würde“, die von der Katholischen und der Evangelischen Kirche ausgerufen wurde, stellt sich die Frage, welches Alter damit gemeint ist, und wer sich davon angesprochen fühlen soll. Sagt doch ein altes Sprichwort: Alt werden will jeder, aber alt sein will keiner!

Doch da hat sich einiges und Gründliches geändert. Um 1900 war etwa jeder zwanzigste der Deutschen Bevölkerung älter als 60 Jahre, heute ist es mehr als ein Viertel davon. Welche Konsequenzen – so frage ich mich selbst als Mitglied dieser älter werdenden Generation – bringt das für mein Leben mit sich? Eines ist sicher, und dies ist inzwischen auch allen klar, alle Hilfe und Sorge von der noch beruflich aktiven Generation zu erwarten, das kann nicht funktionieren. Die Rentnergeneration hat nicht nur einen erklecklichen Zugewinn an Alter beschert bekommen, sie hat dadurch auch eine Menge mehr Pflichten im Reisegepäck. Und diese werden, so muss man das auch sehr dankbar anerkennen, vielfältig wahr genommen: Großeltern leben oft nicht mehr in der Familie mit, aber ohne sie würde mancher Traum der Berufstätigkeit zerplatzen; unzählige soziale Aktionen für Jung und Alt werden von älteren Menschen getragen; im kulturellen Leben gibt es kleine und große Posten zu besetzen, in denen Senioren eine gute Figur machen. Keine Frage, unser Anteil an der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens ist nicht nur eine sinnvolle Beschäftigung, sondern auch eine selbstverständliche Pflicht. Das Leben ist länger und hoffentlich auch lebenswerter geworden – und das nicht nur für die ältere Generation.

Es muss aber auch gesagt werden, dass die Vermutung einer Wirtschaftsanalyse von 1995, „Wir werden die reichsten Alten aller Zeiten haben“, nicht wahr geworden ist, wenigstens nicht für die meisten. Das, was sich die alternde Generation mit viel Fleiß auf die „Hohe Kante“ gelegt hat, schmilzt in der Niedrigzins- und Niedrigrentenpolitik dahin und der sehnliche Wunsch, davon noch etwas zu vererben, wird für viele immer weniger in Erfüllung gehen. Schon gar nicht dann, wenn es in den letzten Tagen eines sehr langen Lebens der Pflege „in Würde“ bedarf.