Wir leben in einem Wandel, in dem sich viel Unverständliches abspielt, und manch menschliches Verhalten kommt uns ungeheuerlich vor. Wir spüren aufflammende Tendenzen von Existenzängsten, Untergangstheorien und von feindseligem Umgang miteinander. Tendenzen, die das Zeug haben, sich langsam, ganz langsam wie lähmender Raureif auf die eigene Seele zu legen. Der frostige Blick auf die Welt untergräbt dann das Vertrauen in die Menschen und zernagt unsere Fähigkeit zur Freude und Zuversicht. So etwas dürfen wir nicht zulassen! Dem müssen wir ein anderes, ein positives Weltbild entgegensetzen.

Weihnachten steht vor der Tür, und die Weihnachtsgeschichte ist eine Hoffnungsgeschichte, obwohl es auch damals in Palästina mehr Anlass zum Zorn als zur Freude gab: Es steht dort geschrieben, dass Gott in dunkler Nacht Mensch geworden ist. Er kommt nicht an einem rauschenden Galaabend, sondern es ist Nacht, Nacht im Leben. Wie viele Lebensnächte haben wir schon durchlebt? In solchen Nächten, wenn die menschliche Klugheit schweigt, kann das Leben neu wiedergeboren werden. Der Text sagt, dass in der Herberge kein Platz für ihn war. Auch wir sind Wanderer, denen Zurückweisung nicht erspart bleibt. Er kommt in einem armen Stall zur Welt und liegt in einer Futterkrippe, das ist unsere menschliche Armut und Ungewissheit, der wir immer ausgesetzt sind. Es heißt in den Texten, dass es bei der Geburt Christi hell wurde und den Menschen, die zum Schauen kamen, ein Licht aufgegangen ist. Voll Freude sind sie danach wieder heimgekehrt.

Die Weihnachtsgeschichte ist eine wunderbare Erzählung, die uns jedes Jahr neu anrührt. Dies ist kein Zufall, denn sie erzählt zugleich unsere eigene Lebensgeschichte. An Weihnachten feiern wir unsere Menschwerdung im Lichte und in der Gegenwart unseres Schöpfers. Die Menschwerdung ist eine faszinierende Idee Gottes, sie hat uns ins Leben gerufen!

„Über den Kirchturm hinaus“, 21. Dez. 2016 – Sr. Josefa Thusbass