Nahezu rund um die Uhr kann man sich im Fernsehen an Quizsendungen vergnügen, deren prickelndes Ziel darin besteht, Gewinner oder Verlierer zu erzeugen – Glück für den Gewinner, Pech für den Verlierer! Diese Alternativlosigkeit bestimmt sehr viele – viel zu viele – Bereiche unseres Lebens.  Sie ist hart und unbarmherzig und sie ist nicht dem System des Lebens abgeschaut. Leben lässt sich nicht in richtig oder falsch einteilen. Leben ist auf eine aufregende Weise viel Versuch, manchmal Irrtum  und dann und wann auch Erfolg –  „trial and error“ heißt das auf neudeutsch. Mit dieser Methode war das Leben auf unserer Erde bis jetzt sehr erfolgreich.

Bei der Verleihung des Karlspreises an Papst Franziskus kürzlich wurde ein Satz des persischen Philosophen ar-Rumi zitiert:  „Jenseits von richtig und falsch gibt es einen Ort, da treffen wir uns!“. Dort, an so einem Ort, jenseits von Beurteilung und Verurteilung,  könnte man in Ruhe der sein, der man ist und zugleich dem Andersartigen ohne Vorbehalt begegnen, es wertschätzen und manches davon selbst ausprobieren.  Die wechselvolle Menschheitsgeschichte zeugt weitaus öfter von solchem erfolgreichen „Sich-Beschnuppern“ als die aufgelisteten Kriege in den Geschichtsbüchern es annehmen lassen. Aber leider –  das Herunterklappen des Visiers und das drohende Säbelrasseln gaukeln uns zu oft vor, den einzig richtigen Ausweg aus der Krise gefunden zu haben, vor allem dann, wenn es uns im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache verschlagen hat

Für so eine Standhaftigkeit – in Krisenzeiten im respektvollen Gespräch zu bleiben und nicht auf den verlockenden Weg einer Gewaltlösung auszuweichen – braucht es einen starken und mutigen Geist, es braucht heiligen Geist. Darum bitten wir zu Pfingsten ganz besonders!