Warum ich so leben möchte

Schwester FrancescaSchwester Francesca

…und ich gehe
…und ich bleibe
…unterwegs…

Als ich meinen Eltern mitteilte, dass ich im Januar – kurz nach meinem 18. Geburtstag ins Kloster gehen werde, waren sie geschockt. Mit einer derartigen Entscheidung hatten sie in keiner Weise gerechnet, auch wenn ich durch verschiedene Aktivitäten in der Pfarrjugend engagiert war: Solidaritäsgruppen mit El Salvador, Jugendgottesdienstteam, Gruppenleiterin der Pfarrjugend. Auch mein damaliger Jugendfreund, meine Freundinnen und Geschwister konnten es nicht glauben. DU? Ins Kloster?

Mein Entschluss stand fest: Ich werde 18 und dann gehe ich! Ich wollte ein alternatives Leben führen und nicht in dieser mich umgebenden Konsumgesellschaft verbürgerlichen, sondern mich ganz für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Und – ich wollte meiner Sehnsucht nach Gott, nach dem je Größeren in meinen Leben den ersten Platz einräumen, wollte es so gestalten, dass ich Ihn in mir und in allem, was mir begegnete, möglichst ungehindert suchen konnte. Vorbild war mir schon in früher Jugend Franz von Assisi – mich begeisterte und begeistert seine Radikalität, seine Liebe zu Gott und zur Schöpfung, seine Kraft und Zärtlichkeit.

Und so trat ich zwei Tage nach meinem 18. Geburtstag bei den Missions-Dominikanerinnen in Schlehdorf ein. Ich hatte diese Kongregation durch unsere Gemeindereferentin kennen gelernt. Mein Wunsch war es, mich einmal intensiv für Gerechtigkeit und Frieden in einem so genannten Entwicklungsland einzusetzen. Ich wollte die in den Solidaritätsgruppen unterstützten Ideen in die Tat umsetzen.

Meine Ernüchterung in der Postulats- und Noviziatszeit war groß. Nun stand ich also da mit meinem Idealismus, die Welt ein Stück weit zum Besseren zu verändern und musste in der Waschküche bügeln und mangeln oder ewig lange Klostergänge putzen. Was sollte das für einen Sinn haben? Dank der schwesterlichen Begleitung in den ersten Klosterjahren lernte ich zu verstehen, um was es beim Ordensleben, speziell als Dominikanerin, geht: Meine Beziehung zu Gott ist die Quelle, aus der meine Ganzhingabe an Gott letztlich erwachsen kann und damit auch die Kraft und Zärtlichkeit, für Frieden und Gerechtigkeit ein zu treten.

Mit Thomas von Aqiun gesagt:
‚Contemplari et contemplata aliis tradere‘,
‚das in der Kontemplation Erfahrene weitergeben, weiterschenken‘.

Ich lernte den Beruf der Erzieherin und arbeitete als solche fünf Jahre in unserem ordenseigenen Internat. Ein schwerer Fahrradunfall, sowie der Austritt von mir wichtig gewordenen Mitschwestern waren mir Anlass, mich selbst und meine Berufung erneut zu hinterfragen.
Wie sehr definiere ich meinen Selbstwert durch das, was ich leisten kann?
Wie sehr ist die Leistung für meine Umgebung der Gradmesser für den Wert eines Menschen?
Macht es Sinn, in einer Kongregation zu leben, deren Altersdurchschnitt bei 75 Jahren liegt?

Mitschwestern und meine Kontakte zu den Missionsbenediktinern in Münsterschwarzach halfen mir, meinem Ja zur Ganzhingabe in der Ewigen Profess treu zu bleiben und zu sagen: Ich bleibe!

Meine gesundheitliche Situation verbesserte sich durch die alternative Medizin stetig, und ein Studium der sozialen Arbeit war möglich. Für die Ordengemeinschaft konnte ich das Programm „MissionarInnen auf Zeit“ aufbauen. Daraus entstanden intensive Kontakte zu vielen Mitschwestern in Südafrika und Südamerika durch Projektbesuche und die Zusammenarbeit mit den jungen Leuten. Diese Aufgabe ermöglicht es mir, von Deutschland aus mich für Frieden und Gerechtigkeit intensiv einzusetzen. Dazu gehört für mich auch in besonderer Weise ein öko-fairer Lebensstil, den wir in unseren Gemeinschaften leben wollen.

Seit vier Jahren lebe ich zusammen mit meiner südafrikanischen Mitschwester Imelda und Sr. Columba, die 43 Jahre in Südafrika gelebt hat, im Johanneskolleg, einem internationalen StudentInnenwohnheim. Die bunte Mischung der Nationalitäts- und Religionszugehörigkeit ermöglicht es uns, als Kollegsleitung in besonderer Weise zum Weltfrieden beizutragen. Das alltägliche Leben und auch die besonderen Festtage der verschieden Religionen bieten dazu hervorragende Möglichkeiten.

Ich freue mich besonders, auf diese Weise in dominikanischer Gemeinschaft unterwegs zu sein und das mir von Gott Geschenkte weiter geben zu können.