Der ganze Mensch

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Am kommenden Sonntag feiern wir ein Fest, das zwar sommerliche Leichtigkeit ausstrahlt, aber nicht so leicht zu verstehen ist, Mariä Himmelfahrt. Dahinter verbirgt sich ganz sicher keine interstellare Reise Marias, hinauf zu den Sternen. Die englische Sprache tut sich da leichter, sie unterscheidet in „sky“, das ist der Ort der Sterne und Planeten und sie kennt andererseits das Wort „heaven“, als Zustand des Glücklichseins. Genau etwa dieses ist gemeint mit der „Aufnahme Mariens in den Himmel“. Maria, die Mutter Jesu, ist das stellvertretende Bild des Menschen, wie er letztendlich von seiner Erschaffung her gedacht ist und wie er einmal in seiner Zukunft sein wird. Wir haben die Zusage Gottes, dass sich unser Leben nicht irgendwann und irgendwo im Nebulösen auflöst, sondern unsere ganze Persönlichkeit wird zur Vollendung kommen, auch dann, wenn der Alltag dies oft nicht glauben lässt. Mariä Himmelfahrt ist wie ein Tag der Siegerehrung, nur mit dem Unterschied, dass es nicht nur eine Siegerin gibt und alle anderen, wie bei Wettkämpfen üblich, als Verlierer dastehen. Wir sind alle, ausnahmslos, auf der Zielgeraden unterwegs – inklusive unserer Umwege.

Am Fest Mariä Himmelfahrt werden in vielen Kirchen Kräuterbuschen geweiht. Mindestens 7 oder gar 77 Kräuter sollen als Symbol der Vollkommenheit nach alter Vorstellung in einem Buschen eingebunden sein. Kräuter, Heilkräuter und Blumen sind Zeichen der Hoffnung auf Heilung, auf lange Gesundheit und sie schenken Freude. Sie verkörpern den Wunsch, ein rundum „ganzer“ Mensch zu sein, der sich - wenigstens manchmal - wie im siebten Himmel (heaven) fühlen darf.

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