Der Unfriede ist das Fehlen des Friedens

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Wer möchte es leugnen, dass unser Zusammenleben nicht viel zu oft von Unfrieden bedroht ist. Wie belastend für uns Unfriede ist, spiegelt sich in unserer Sprache wider, denn die Sehnsucht nach Frieden zeigt sich in unzähligen Worten des alltäglichen Zusammenlebens. In den eigenen vier Wänden liegt uns der Hausfriede am Herzen, in der Gemeinde arbeiten wir am Dorffrieden, von gewählten Politikern erwarten wir Friedenspolitik, die UNO rief 1945 den Weltfriedenstag ins Leben, die Kirchen sind von ihrer Sendung her grundsätzlich zur Friedensbotschaft verpflichtet, besonderer Einsatz für den Frieden wird mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt und dann gibt es noch den Ort mit der unerwartet hoffnungsvollen Bezeichnung „Friedhof“.

Unsere Herzen sind voll dieser Sehnsucht nach Frieden und doch sind wir so oft gefährdet, in Unfrieden verwickelt zu sein. Was ist das, was da bei uns selbst und auch international immer wieder so explosionsartig aufbricht? Schon am Anfang der biblischen Menschheitsgeschichte wird das Drama des tödlichen Unfriedens zwischen Kain und Abel erzählt, als Urerfahrung des Unfriedens. Unfrieden mag genährt werden durch Macht, Neid, Habgier und oft auch durch Angst. Letztendlich können wir aber nie wirklich benennen, was in unseren Tiefen schlummert und was uns antreibt, auf diese Weise Leid in das eigene Leben und das der anderen zu bringen. Das von Thomas von Aquin (13. Jh.) überlieferte Wort, „Das Böse ist das Fehlen des Guten!“, ist in seiner abgewandelten Form „Der Unfriede ist das Fehlen des Friedens!“ als Aufforderung zum Handeln zu verstehen.  Frieden ist kein Selbstläufer. Die bewusste Entscheidung zum Frieden, immer und immer wieder die Hand dazu zu reichen, ist die Voraussetzung für dauerhaften Frieden unter uns Menschen. Gebe Gott, dass wir in diesen Zeiten mit seiner Hilfe etwas davon schaffen können!

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