Die Knotenlöserin

von

In Augsburg, in der Wallfahrtskirche St. Peter am Perlach, hängt ein sehr bekanntes und sehr verehrtes Bild der Muttergottes – die „Knotenlöserin“. Kommt man dort hin, dann befinden sich immer Betende vor diesem Bildnis, die in eindringlicher Stille davor sitzen oder knien. Das Bild zeigt Maria, die beschäftigt ist, die vielen wirren Knoten eines Bandes nacheinander zu lösen. Wer zu diesem Bild hin pilgert, ist meistens selbst mit bedrückenden Knoten in seinem Lebensband konfrontiert, oder ein wichtiger Mitmensch ist in schwere Probleme verwickelt. Die Menschen suchen dort keine Magie, die wie von selbst mit geisterhafter Hand alle Probleme löst. Wer dort hingeht, der muss sich vor allem erst einmal selbst in Bewegung setzen. Das beginnt bei dem Gedanken und dem Wunsch, die Knoten und Verwicklungen genauer anzusehen und sie endlich zur Lösung bringen zu wollen. Dieser Entschluss setzt sich dann um in einen ganz reellen Weg, den Pilgerweg. Dies ist immer erst einmal ein Weg zu sich selbst und in die eigene Realität. Sitzend in Augsburg vor dem eindrucksvollen Bild, ist dann bereits ein wichtiger Teil des Lösungsweges schon gegangen. Die Antwort des Bildes ist dann die Erfahrung, dass wir Menschen nicht Alleingelassene sind - eine Erfahrung, die wir immer wieder vergessen, die wir aber brauchen und die uns Kraft gibt, Lösungen zu suchen, für sich selbst und für andere. Wer jetzt in der Urlaubszeit einen Tagesausflug plant und diesen zu einem Pilgerweg machen möchte, ist bei der Knotenlöserin in St. Peter am Perlach immer willkommen. Und wer in der glücklichen Lage ist, keine ungelösten Knoten zu haben, der kann es sich zum Anliegen machen, die vielen ungelösten Verwicklungen unserer Welt dort hinzutragen und um Lösung zu bitten, wir haben es dringend nötig.

Sr. Josefa Thusbaß OP

Zurück