Feuer und Asche

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In Amerika fegte vor Jahren ein heftiger Waldbrand über Teile eines Nationalparks hinweg und hinterließ von den uralten, riesigen und geschützten Mammutbäumen nur Asche und angekohlte Baumstümpfe. Das Entsetzen und die Trauer darüber waren riesengroß, bis – ja bis etwas Unglaubliches geschah. Die lange schon im Boden schlummernden Samen der Mammutbäume gingen auf und langsam, ganz langsam wuchs ein junger Wald heran. Erst jetzt begriff man diesen uralten Zyklus der Selbsterneuerung – er setzte nach großer Hitze ein – also nach einem Waldbrand. Die Asche der verbrannten Bäume war der notwendige Dünger für die jungen Schösslinge. „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“, das ist der Text am heutigen Aschermittwoch, wenn in den katholischen Kirchen die Asche als Zeichen und als Symbol mit auf den Weg gegeben wird. Und fast automatisch füllt mir jedes Jahr wieder die Geschichte mit den Mammutbäumen dazu ein. Wir wissen nur zu gut, dass jede Generation irgendwann Platz für eine neue machen muss und wir hoffen, dass das, was wir dann in die Zukunft weiter reichen, wie nährende Asche für neues Leben ist. Es geht aber beim Aschermittwoch nicht nur um den endgültigen Schritt aus dem Leben hinaus, es geht auch um die kleinen „Waldbrände“ und um deren Sinn und Einordnung, wenn sie über unser Leben hinweg fegen. Es ist dann gut zu wissen, dass Asche, die nach einem Brand zurückbleibt, Nahrung für neues Leben ist. Der Aschermittwoch trägt in sich viele Sinngedanken. Er kann uns sagen: Vertraue dem leben und dem der es geschaffen hat, es geschieht nichts, was uns nicht weiter bringt, frei macht, wachsen lässt. Auch das, was im Leben unterzugehen scheint, ist nicht umsonst, ist nicht verloren und schon gar nicht sinnlos. Denn es gibt Samen, die erst nach einem Sturm, nach einem Brand zu keimen beginnen. Die Fastenzeit, vom Aschermittwoch bis Ostern, ist die Zeit, die die Hoffnung auf neues Leben in uns und um uns herum ganz fest in den Blick nimmt und es ganz realistisch erwartet und alles dafür in die Wege leitet, damit es geschehen kann.

Sr. Josefa Thusbaß OP

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