Gasgeber und Bremser

von

Dass „Hü“ und „Hott“ - also gleichzeitig nach rechts und nach links laufen –  nicht gehen kann, das wissen alle, die mit Zugtieren zugange sind.  Ebenso wenig kann man im Auto Gas geben und zugleich bremsen, es sei denn, man fährt mit angezogener Handbremse. Nichtsdestotrotz bietet uns das Leben derzeit eine ganze Menge von all diesen verwirrenden Gegensätzlichkeiten. Und ganz oft ist man sich selbst nicht so sicher, welche Zugrichtung die richtige oder welche wenigstens die vernünftigste ist. Wenn Dinge geschehen, die jenseits der Gewohnheit ablaufen und die fortlaufend neue Entscheidungen abverlangen, dann nennen die einen das Aufbruch, für die anderen ist das einfach nur Stress. In beiden Fällen verbraucht es eine Menge Energie, um das eigene und auch das gemeinsame Leben auf Kurs zu halten. Interessant ist da der Blick in unser Innenleben. Gasgeben und Bremsen hat die Evolution tatsächlich gleichzeitig in uns angelegt. Kaum schlägt unser Pendel in die eine Richtung aus, stellt sich schon die Gegensteuerung ein, die uns wieder in die mittlere Balance zu bringen versucht. Werden Ausschläge zu extrem, dann ist unsere seelische und auch unsere körperliche Gesundheit in Gefahr. So ist es auch in unserem sozialen Gefüge und auch in der Kirche. Es müssen immer genug am Gaspedal stehen, damit die Entwicklung weitergeht, denn Stillstand ist Rückschritt. Andere wiederum brauchen wir am Bremspedal, um erprobte Werte zu sichern und möglichst vielen das Mitkommen zu ermöglichen. Gasgeber und Bremser – und das muss uns immer bewusst bleiben – sind keine erbitterten Feinde, sie sind unverzichtbare Pole, die im (Streit-) Gespräch bleiben müssen. Wichtig und entscheidend ist letztendlich nur, dass wir auf dem Weg bleiben und gut durch die Kurven des Lebens und der Geschichte kommen und dass Fortschritt und Bewahren sich in einer versöhnten und zugleich lebensfördernden Balance halten.

Zurück