Mattheis brichts' Eis

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„Mattheis bricht‘s Eis, hat er keins, dann macht er eins!“, sagt die alte Bauernregel zum heutigen Tag. Gut möglich, dass der hl. Matthias in Zeiten des Klimawandels neuerdings damit zu spät dran ist. Dann muss er eben seine Hilfe „umfunktionieren“ und anderes Eis brechen, solches, das nicht vom Wetter kommt, sondern solches, das möglicherweise in uns ist oder das zwischen uns ist. Davon gibt es in unserer Welt immer viel genug. Aber dennoch kann man nach einem Krisenjahr, wie diesem, nur sagen, es gibt zwischen den Menschen in der Summe mehr Wärme als Eis. Es ist beeindruckend, wie viel und mit welcher Ausdauer gegenseitige Hilfe erbracht wird, wie Menschen auf neuen Wegen zusammenfinden und wie schnell die Medizin Hilfe anbieten kann. Wir sind die erste Generation in der Menschheitsgeschichte, die täglich das Wissen um eine Pandemie, ihre Folgen und den Umgang mit ihr, in „Echtzeit“ abrufen kann. Dieses Wissen wird von vielen sehr verantwortlich angenommen! Die kürzlich veröffentlichte Statistik, dass letztes Jahr in der Summe mehr für die Not anderer gespendet wurde, kann ich für die Hilfeaktionen unserer Ordensgemeinschaft in Südafrika und Südamerika nur bestätigen. Auf diese Weise führt uns Not auch zusammen. Mich erfüllt es zudem mit großer Dankbarkeit, in unsere Zeit und in unsere Kultur hineingeboren worden zu sein, die für Not und Krankheit nicht mehr Sündenböcke und Hexen verantwortlich macht. Wer dies in der einen oder anderen Weise versucht, hat noch einen Fuß im Mittelalter stehen.
Corona hat schmerzhaft viel „Eis“ zusammengeschoben, so viel, dass es sich für nicht wenige zu einer Eiszeit aufgetürmt hat. Es gibt dazu keine Alternative, als dass wir sorgend aufeinander schauen und weiterhin zusammenhalten. Mattheis wird noch lange helfen müssen, das Eis zu brechen.


Sr. Josefa Thusbaß

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