Osteroktav

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Die Tage in dieser Woche sind die Tage der Osteroktav, also der acht Tage, die dem Osterfest folgen. Jeder Tag in dieser Woche ist kirchlich ein Hochfest, denn Ostern steht für die wichtigste Ansage an uns: Der Tod wird in unserem Leben nicht das letzte Wort haben. Jeder Tod, auch die „kleinen Tode“, durch die wir im Leben hindurchgehen, münden in neues Leben. Nicht immer werden uns diese Prozesse bewusst. Oft setzten sich die einzelnen Fragmente erst in einem langen Rückblick, zu einem stimmigen Bild zusammen. Liest man die Osterevangelien, dann liest man von sehr menschlichem Verhalten der Begleiter und Begleiterinnen Jesu, nur wenige bleiben am Karfreitag bei ihm, andere laufen in kopfloser Bestürzung auf und davon. Sie konnten das Geschehene nicht begreifen. Waren sie nicht deshalb voller Bewunderung mit ihm gegangen, weil er – wie kein anderer zuvor – so machtvoll sprechen und so viele Wunder wirken konnte? Nun war er weg – einfach weg aus ihrem Leben. Sein tragisches Ende hatte alle Perspektiven vernichtet. Was sollte jetzt aus ihnen werden? In diesem Jahr spüren auch wir etwas von diesem „weg“, plötzlich ist so Vieles weg aus unserem selbstverständlichen Alltagsleben. Was wirklich alles weg ist, können wir jetzt noch nicht so richtig benennen. Und es schmerzt uns, dass da etwas über uns gekommen ist, für das wir keine Gebrauchsanweisung haben. In uns wächst die Sehnsucht nach einem Ausweg aus dieser Lage, nach einer Auferstehung aus dieser Lebensnot. Doch wer jetzt feine Ohren und aufmerksame Augen hat, hört und sieht so vieles, was sich regt und bewegt, was neu und erstaunlich ist. Ungewohnte Situationen fördern gerade neue Lösungsideen zutage. Distanz erzeugt neue Nähe. Dieses starke Sehnen und Wollen hat schon angefangen, die Kräfte zu mobilisieren. Noch befinden wir uns in der Osteroktav, in einer Zeit des ungläubigen Staunens und Erschreckens über diese unverhoffte, neue Erfahrung. Doch das Leben an sich – und auch unser eigenes Leben – sind so zukunftsorientiert und außerdem so katastrophenerprobt, dass es in seiner unglaublichen Kreativität eine neue Auferstehung vollziehen wird.

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