Weltbildungstag

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Der aufregende erste Schultag steht kurz bevor. Doch diese alljährliche Selbstverständlichkeit ist in Bayern gar nicht so alt. Kurfürst Max IV Joseph gab 1802 die entsprechende Verfügung dazu heraus: „Die Schulpflicht bezieht sich auf alle Kinder zwischen 6 und 12 Jahren, deren Eltern Schulgeld zu zahlen haben …“ Das heißt nicht, dass es vorher keine Bildungsinstitute gegeben hätte – aber eben nicht für das allgemeine Volk. Mit der Grundbildung für alle, mit Lesen, Schreiben und Rechnen für alle, nahm auch die Forderung nach Mitbeteiligung der Bürger am öffentlichen Leben, also die Forderung nach Demokratie, zunehmend Fahrt auf. Beschleunigt wurde dies noch, als auch für Frauen ein Bildungsaufstieg möglich wurde.

 

Wie aber geht Bildung? Erstmalig ist der Begriff „Bildung“ im Mittelalter in den Schriften des Mystikers Meister Eckhart zu finden. Er verstand unter Bildung das Streben des Menschen, zum Abbild Gottes zu werden. Während der Mensch nach Gott sucht, wird er in der Antwort des Gesuchten zu dem was er gesucht hat, zu Gottes Abbild. „Und was zuvor du suchtest, das sucht nun dich!“ Bildung hat sich längst aus den Begriffen der Theologie gelöst, aber der Vorgang ist unverändert. Bildung ist immer ein Prozess, der zuerst das individuelle Suchen voraussetzt und der in der Folge den, der auf die Suche gegangen ist, umformt, umbildet. Es ist ein Rufen und Suchen nach Erkenntnis und zugleich ein Horchen auf Antwort. Pädagogik hat die Aufgabe, dieses Rufen und Suchen hervorzulocken und zum Horchen auf die Antwort zu befähigen.


Heute, am „Weltbildungstag“, wird vor allem an die Bedeutung der Alphabetisierung erinnert, und zugleich daran, dass fast eine Milliarde Menschen der Weltbevölkerung nicht lesen oder nicht richtig schreiben kann - zweidrittel davon sind Frauen. Eigentlich kann sich die Menschheit einen solch himmelschreienden Mangel schon lange nicht mehr leisten!

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